Schottland à la carte – Schlemmen auf Schienen


Die vielleicht angenehmste Art, die ruppigen Highlands entspannt zu genießen,
ist sicherlich per Zug. Am besten und exklusivsten geht das mit dem Nostalgie-Zug
„The Royal Scotsman“. Das Schmuckstück auf Schienen ist einer der prunkvollsten Luxusdampfer der Welt und erinnert an den legendären Orient-Express in seinen
besten Tagen. Die vier Schlafwagen und die beiden Speisewaggons sowie der
Panorama-Salonwagen mit seinen 36 Sofas und Sesseln stammen aus dem
ausgehenden 19. Jahrhundert und sind – ganz „unschottisch“ – ohne Rücksicht
auf Kosten mit viel Liebe zum Detail restauriert worden.

Bei seiner Abfahrt aus Edinburghs schmucklosen Waverley-Untergrundbahnhof inmitten der Princes Garden steht The Royal Scotsman majestätisch im morgendlichen Dunst wie eine Diva, die auf ihren Auftritt wartet: Ein roter Teppich bringt die Passagiere bis an die Abteiltür, während ein stolzer Piper im Tartandress mit seinen patriotischen Klängen von „Amazing Grace“ und „Scotland The Brave“ fast die Signalpfeife des Schaffners in seiner traditionellen Uniform übertönt. Mit seinen bordeauxrot lackierten Waggons, auf denen elegant der Schriftzug The Royal Scotsman und das Wappen der Companie prangt, wirkt der Luxuszug wie ein Relikt aus jenen Tagen des 19. Jahrhunderts, als es Königin Viktoria I. es noch beliebte, mit Prinzgemahl Albert und der Bahn durchs schottische Hochland zu reisen, um den Sommer in ihrer Residenz Schloss Balmoral bei Braemar zu verbringen und sich bei den Highland Games zu vergnügen.

In einem Zug stilvoll durch die stolze Geschichte Schottlands

Unter den neidischen Blicken weniger wohlhabender Passagiere macht sich die maximal 36-köpfige feine Gesellschaft der Betuchten und Betagten aus Deutschland, Amerika und dem Rest der Welt auf den Weg, die geschäftige schottische Hauptstadt zu verlassen. Durch die Highlands, entlang wild-romantischer Bens und Glens und Lochs, wird die Reise in den folgenden Tagen gehen. Eine abenteuerliche Fahrt durch die bewegte schottische Geschichte und eine Landschaft, die die Passagiere mit jedem Schienenkilometer tiefer in ihren Bann zieht; durch die Heimat von William „Braveheart“ Wallace und Robert the Bruce – Schottlands wichtigste Nationalhelden, die vor sieben Jahrhunderten bereits für die Freiheit und Unabhängigkeit dieses kleinen, unbeugsamen Volkes am westlichen Rande Europas gekämpft haben, das immerhin eine der ältesten Kulturnationen Europas ist; entlang einer Symphonie aus kahlen Hügel und tiefblauen Seen, die Sir Walter Scott, der große Romancier des 19. Jahrhunderts, in seinen Romanen Waverley und Rob Roy so unvergleichlich beschrieben hat; durch ein Land, das Theodor Fontane freudig mit dem Ausruf „Nach Schottland also!“ bereiste und Felix Mendelsohn Bartholdy zu seiner berühmten Hebriden Ouvertüre animierte.

Vornehm-gelassen rattert der „adelige Schotte“ durchs Hochmoor von Rannoch vorbei
am Ben Nevis (mit 1.344 Metern der höchste Berg des exzentrischen Inselreiches) zum Glenfinnan-Viadukt. Hier, am malerischen Loch Shiel, versammelte der bis heute hoch verehrte Stuart-Prätendent „Bonnie Prince Charlie“ nach seiner heimlichen Ankunft aus dem italienischen Exil seine 10.000 Mann starke Highlander-Armee, um gegen die verhassten Engländer unter König George II. zu Felde zu ziehen. Bis kurz vor London
kam er, musste aber kurzerhand den Rückzug in die Highlands antreten und wurde im darauffolgenden Jahr bei der tragischen Schlacht im Moor von Culloden bei
Inverness vom Herzog von Cumberland vernichtend geschlagen.

Speisewagen mit Feinschmecker-Küche

Aus den großen Fenstern des Salonwagens, beliebter Treffpunkt für einen small talk, lässt sich das beeindruckende Panorama der Highlands und Islands, in der das fast magisch klare und reine Licht alles beherrscht, am besten mit einem wee dram, einem kleinen Schluck besten Single Malt Whiskys, genießen. Der Royal Scotsman ist ein feines Cottage auf Rädern: Mit edlen Hölzern vertäfelte Einzel- und Doppelschlafkabinen mit eigenem Bad nebst den beiden prächtigen Speisewagen „Victory“ und „Raven“, die sich am Abend, wenn der Zug auf einer stillgelegten Nebenstrecke Station macht bis zum nächsten Morgen, zu einem First-Class-Restaurant verwandeln mit Kerzenleuchtern, Leinentischtüchern und festlich gekleideten Gästen im Abendkleid und Smoking.

Die kleine Küche im angrenzenden Servicewaggon kocht auf Feinschmecker-Niveau
und nach den Jahreszeiten: Ob Hummer, Steinbutt oder Zander in leichter Kaviarcrème- oder Limettensauce, Lammfilet unter hauchdünner Blätterteigkruste, Angus-Filet mit gratiniertem Gemüse – alles wird fang- und ofenfrisch aufgetischt und belehrt die
Kritiker der britischen Küche eines Besseren: Der Royal Scotsman zählt ohne Zweifel
zu einer der ersten kulinarischen Adressen der Insel. Und wer am Nachmittag,
entspannt im Ledersessel die fulminante Aussicht genießend, Appetit verspürt auf
ein Lachshäppchen, ein Gläschen Champagner oder einen erlesenen Bordeaux,
dem wird dieser Wunsch selbstredend unverzüglich erfüllt.

Für die angemessene Teilnahme an manch abendlicher Tafelfreude indes gibt es
einen Dresscode, über die die Gästebroschüre vorab informiert: There are formal
and informal dinners, usually on alternate nights. The train manager or a member of
the c
rew will advise you. For gentlemen, formal dinner means wearing a tuxedo or kilt;
for ladies, a cocktail dress or
similar evening wear is recommended. Gentlemen’s
formal
wear may be hired in Edinburgh prior to your journey. Please contact the
Edinburgh Office for details – address/ numbers are at the end of this booklet.
For informal dinners, jacket and tie is acceptable attire for gentlemen.“

Auf Landpartie mit Kilt und Keksen

Während der gesamten Tour folgt dem Zug ein komfortabler Reisebus – für die Exkursionen zu einer Whisky-Destille etwa oder in eine ländliche Lachsräucherei,
zu den Highland Games in Mallaig vielleicht oder um leibhaftige Highlander auf ihren feudalen Landsitzen zu besuchen, die sich gerne Gäste zum Fünfuhr-Tee einladen.
Und natürlich steht auch ein Schloss auf dem vornehmen Fahrplan. Nicht irgendeines etwa, nein, Hollywoods berühmtes „Highlander“-Schloss Eilean Donan Castle
nicht weit von der Insel Skye entfernt muss es sein.

So eine Rundreise mit dem Royal Scotsman durch das schottische Hochland ist
fürwahr ein fürstliches Vergnügen: 2.870 Euro kostet die 540 Meilen-Rundreise mit
zwei Übernachtungen an Bord. Pro Person versteht sich – inklusive Menüs, allen Getränken und tadellosem Bordservice sowie sämtlicher Ausflüge und Nebenkosten
wie etwa Eintrittsgelder. Die „Grand North Western Journey“ bis zum Rand der Inneren Hebriden und zurück nach Edinburgh schlägt mit sieben Übernachtung und allem
Pipapo sogar mit stolzen 8.510 Euro zu Buche. Die Luxustouren werden zwischen
April und Oktober veranstaltet – in einer Jahreszeit also, die in Schottland die
niedrigste Regenwahrscheinlichkeit verspricht und die wie geschaffen ist für
eine exklusive Schlemmerreise, bei dem der Weg das Ziel ist.

Reservierungen im Internet unter www.royalscotsman.com, telefonisch unter
+49 221 33 80 300 oder per eMail unter oereservations.germany@orient-express.com

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