Whisky – Schottlands destillierte Identität


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„Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills“
Neil M.Gunn

„Freedom an whisky gang thegither“ – „Freiheit und Whisky gehören zusammen“ hat der schottische Nationalpoet Robert Burns bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts behauptet. Wie sehr dies noch heute der Fall ist, und wie eng Whisky sowohl mit der schottischen Geschichte als auch mit der nationalen Identität verknüpft ist bzw. diese versinnbildlicht, das erklärt diese kurze Dokumentation.

Die Geschichte eines Landes, seine Traditionen und Gebräuche sowie die Mentalität seiner Bewohner – all das reflektiert sich am deutlichsten in seinen Gerichten und Getränken. Heißt es. Besonders bei den Nationalgetränken wird klar, was damit gemeint ist. Die korrekten Deutschen beispielsweise legen größten Wert auf ein ordentlich gezapftes Bier, die legeren Franzosen lieben Wein, die hitzigen Italiener machen Dampf mit Espresso, während die entspannten Engländer in aller Ruhe ihren Fünf Uhr-Tee schlürfen. Die Griechen spendieren ihren guten Freunden gern Ouzo und die Amis sind verrückt nach Coke. Der Russe wird nur mit Wodka zahm, die Schweden tauen auf mit Aquavit und die Schotten sitzen gern im Regen mit einem Glas Whisky. So hat eben jede Nation dieser Erde ihr ganz eigenes flüssiges Trostpflaster.

Und wie jedes Nationalgetränk wird auch der hochprozentige schottische Mythos
Whisky sehr eng mit dem Land, seiner Geschichte, der Kultur und den Menschen assoziiert. Und das nunmehr seit einem halben Jahrtausend. 1994 wurde in Schottland sein 500. Geburtstag gefeiert, mit dem gebührenden Zeremoniell und einem Glas aus
der limitierten Fassabfüllung von den Mitgliedern der ehrwürdigen Scotch Malt Whisky Society in Edinburgh. Die Wurzeln von uisge beatha oder usquebaugh (das gälische
Wort für „Wasser des Lebens“; der Klang dieser beiden gälischen Bezeichnungen in
den gepeinigten englischen Ohren führte später dann zu der Schreibweise „Whisky“) liegen in Irland. Von dort, so vermuten die Geschichtsschreiber, brachten irische
Siedler, die sich um 700 nach Christi in Schottland niederließen, das Rezept
für die Produktion von Whisky mit.

Urkundlich erwähnt und damit offiziell aber wurde Whisky in Schottland erst im Jahre 1494 in den Steuerbüchern des Scottish Revenue Office in Edinburgh. Es war ein Mönch namens Friar John Cor, der in diesem Jahr einige Fuder Malz gekauft hatte, um damit aqua vitae (lateinisch für „Wasser des Lebens“, also Whisky) für den eigenen Verzehr herzustellen. Im 15., 16. und 17. Jahrhundert wurde die Whiskyproduktion noch nicht gewerblich, sondern überwiegend für den eigenen Bedarf betrieben. Es waren hauptsächlich die Kleinbauern im schottischen Hochland, die Whisky destillierten, um den Ernteüberschuß ihres Getreides sinnvoll zu verwerten und zugleich etwas Geld mit dem Verkauf von Whisky zu verdienen.

In einigen Regionen entlang der Ostküste, insbesondere um Brora, wurde intensive Kohleförderung betrieben. Mit diesem Rohstoff konnten die oftmals primitiven Hausdestillen befeuert werden. Das Abfallprodukt der Whiskyproduktion, getrocknete Gerste, wurde an Schweine, Schafe oder Rinder verfüttert, die ihrerseits mit ihrem
Dung wiederum die Getreidefelder der bäuerlichen Parzelle düngten, die wiederum
einen der Grundstoffe der Whiskyproduktion lieferten. Ein Kreislauf, der behutsam
und effektiv die natürlichen Ressourcen nutzte und damit auch wesentlich
den individuellen Charakter von Whisky bestimmte.

Whisky verkörpert die Seele Schottlands und war von Beginn an sehr eng mit der Landschaft, den Menschen, ihrem Lebensstil und den Produktionsweisen verknüpft. A wee dram of whisky, ein kleiner Schluck Whisky, war von jeher wie ein Fingerabdruck, im wahrsten Sinne ein Destillat der Region, aus der er kommt bzw. wo er hergestellt wurde. Entscheidend für seinen einzigartigen Geschmack – und dies ist quasi als religiöses Dogma der Whiskyproduktion zu verstehen – ist die Kombination aus der Qualität des Bodens, des Mikroklimas, der Luft und des Wassers, mit dem Whisky destilliert wird. Die Quelle jeder Destille hat ihren individuellen Charakter. Wasser, das beispielsweise aus Granit entspringt, hat eine ganz andere Reinheit und Weichheit, als torfiges Wasser, das aus dem Moor plätschert.

Das Whiskybrennen ist eine behutsame Prozedur mit festen Regeln, die einer jahrhundertealten Tradition folgt und jeder Produktionsabschnitt (Mälzen der Gerste, Maischen, Vergärung, Destillation, Reifung) erfordert besondere Kenntnisse und Erfahrung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Nur so ist es
zu erklären, dass – so werben die Hersteller – ein wee dram of Single Malt Whisky
den Geschmack von einem puren, authentischen Schottland vermittelt. Im Laufe
der Jahrhunderte, nachdem Bruder John Cor erstmalig aqua vitae zum eigenen
Genuss produzierte, etablierte Whisky sich mehr und mehr zum demokratischen Nationalgetränk, das gleichermaßen nicht mehr nur von Bauern, sondern auch von
den Arbeitern in den stetig wachsenden Städten, dem Bürgertum, der
Aristokratie sowie dem Militär getrunken wurde.

So wird beispielsweise gern auf Führungen durch die Whisky-Brennereien erzählt, dass am Vorabend der berühmten Schlacht von Culloden die Clanmitglieder auf Seiten von Bonnie Prince Charlie mit einem wee dram auf den erhofften Sieg anstießen und nicht, wie die Tradition es gebot, Haferbrot brachen und aßen. Im Endeffekt war jedoch nicht der Whiskygenuss ausschlaggebend für die tragische Niederlage der Jakobiter, sondern die militärische Übermacht der englischen Truppen und rivalisierende Clans sowie deren bessere Ausrüstung. Eine andere historische Anekdote berichtet von einem wahren Gelage, das Soldaten und sämtliche 3.000 Bewohner der Hebrideninsel Skye anlässlich des Todes von Flora MacDonald veranstalteten. Mit rund 300 Gallonen bestem Whisky (1 Gallone entspricht 4,54 Litern) ersoffen sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Trauer um das Ableben ihrer Volksheldin – der Frau, die angeblich Bonnie Prince Charlie zur legendären Flucht nach Frankreich verholfen haben soll.

Whisky war und ist nach wie vor also weit mehr als nur eine populäre, hochprozentige Spirituose, sondern stets allgegenwärtig im Alltag der Schotten. Sogar die Presbyterianer schätzten die weltliche Bedeutung und Natur des Whiskys, indem sie das „Wasser des Lebens“ seiner sprichwörtlichen Sinnhaftigkeit zuführten und Neugeborene mit einem kleinen Schluck Whisky den Hinterkopf benetzten und damit tauften, so, wie es heute mit schlichtem Wasser üblich ist. Darüber hinaus dient Whisky in manchen Gegenden Schottlands noch immer als Allround-Medikament gegen die unterschiedlichsten Erkrankungen und Infektionen, vor allem gegen Schnupfen. Aber das „Wasser des Lebens“, so glaubt man, bremst auch das Altern und wirkt verjüngend, unterstützt die Verdauung, vertreibt die Melancholie, hilft gegen Gallensteine und Wassersucht, beseitigt Schwindelgefühle, Schielen, Lispeln und letztlich auch die Trockenheit im Hals.

Kein Wunder also, dass die Whiskyproduktion im ausgehenden 18. Jahrhundert sich zu einer expandierenden Industrie entwickelte. Die nun auch in Schottland greifende Industrialisierung ermöglichte die Konstruierung und Installation von Maschinenparks für die Massenproduktion von Whisky, die stets eine profitable Einnahmequelle von Steuern war, denn der britische Staat erhob hohe Abgaben auf den Verkauf von Whisky. Um gezielt Steuern zu erheben, war es notwendig, jede Brennerei zwischen Stranraer und Thurso zunächst einmal durch übers Land reisende Steuerbeamte registrieren zu lassen, die dann ab 1823 mit dem sog. Excise Act von der Krone oder dem Parlament in London autorisiert wurden und unter Lizenz (nach Zahlung einer einmaligen Lizenzabgabe von damals zehn Pfund) Whisky herstellen durften. Dieser Umstand hatte zur Folge, dass eine unüberschaubar hohe Zahl von kleinen, versteckten Brennereien insbesondere in den Highlands illegal produzierten, um den Steuereintreibern zu entgehen. 1777 beispielsweise gab es allein in der Umgebung von Edinburgh acht lizenzierte und über 400 illegal operierende Destillen.

Die schottische Whisky-Branche dieser Tage ist eine Großindustrie, deren Produkte
zu den fünf größten Exportposten der Außenhandelsbilanz Großbritanniens zählen.
In ganz Schottland produzieren heute noch 108 Malt Whisky-Destillen, meist
Kleinbetriebe, nach alter Tradition aber mit modernsten Produktionsmethoden
(wobei lediglich 10% ihrer Produktion als Malt Whisky in den Handel geht; die verbleibenden 90% werden für Blended Whisky verwendet). Tatsächlich aber sind
fast alle, auch Blend-Produzenten, im Besitz der großen Whisky-Konzerne wie Guinness, The Highland Distilleries Co Plc., United Distillers Plc u. a.. Einige umsatzstarke
Whisky-Hersteller sind in der Handelsorganisation The Scotch Whisky Association (SWA; www.scotch-whisky.org.uk) organisiert. Die SWA repräsentiert bedeutende Unternehmen der Whisky-Branche, sowohl Malt- als auch Blend-Produzenten, und
hat bis dato 31 Mitglieder. Die SWA vertritt die wirtschaftlichen Interessen
der schottischen Whisky-Industrie und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit.

Obwohl Whisky das Nationalgetränk der Schotten ist und stets mit Schottland assoziiert wird – der weltgrößte Whiskyproduzent ist nicht etwa eine der bekannten Highland-Destillen der sog. „Big Five“, der ehemaligen Whisky-Barone John Dewar & Sons („Dewar’s“), John Walker & Sons („Johnnie Walker Red Label“), James Buchanan („Black & White“), John Haig & Co. („Dimple“) und Peter Mackie („White Horse“), die allesamt zum United Distillers Konzern (2002 in „Diageo“ umbenannt) gehören, sondern Japan! Seit 1923 wird im asiatischen Königreich der aufgehenden Sonne Whisky gebrannt. Die bekanntesten Marken dort sind Yamazaki Pure Malt Whisky, Karuizawa Fine Aged Straight Malt Whisky und Nikka „Hokkaido“ Single Malt sowie Premium Blended Malt Whisky Hibiki und Blended Malt Whisky Suntory Royal der Suntory Brennereien, die in Yamazaki in drei Destillen rund dreißig Sorten Whisky produzieren und in 32 Länder exportieren.

Und schließlich noch Neuseeland: Auch hier wurde Whisky gebrannt. Schottische Emigranten gründeten 1838 in Dunedin auf der Südinsel die Wilson Distillery. Als Reminiszenz und Erinnerung an ihre Heimat kreierten die findigen Unternehmer den einzigen Neuseeland-Whisky „Lammerlaw Malt“ – ein Produkt, das ihnen das wirtschaftliche Überleben sicherte, denn Dunedin (gälisch für Edinburgh) mit dem einzigen Schloss im Inselstaat ist die größte schottische Siedlung im Südpazifik.

Insgesamt werden heute über 2.000 verschiedene Marken Whisky aller Art angeboten. Scotch Whisky ist, entsprechend einer Studie der Londoner SWA („Scotch at a Glance“ von 1993), das fünftwichtigste Handelsprodukt der britischen Exportwirtschaft und einer der wichtigsten Industriezweige Schottlands. „The fact that we are Scottish is a strong selling card“, kommentierte Highland Distilleries‘ chief executive Brian Ivory diesen Umstand in einem Interview in der schottischen Tageszeitung The Scotsman vom 23. August 1994. Im Bilanzzeitraum 1993 etwa wurden rund 917 Millionen Flaschen Whisky (über 85% der Gesamtproduktion von 1,254 Milliarden 70cl Flaschen) in 200 Länder exportiert; mit einem Gesamtumsatz von fast 2,1 Milliarden Pfund. Der größte Exportpartner sind die U.S.A. mit einem Anteil in 1993 von über 144 Millionen Flaschen (das entspricht rund 282,5 Millionen Pfund), nach Frankreich (rund 109 Mio. Flaschen/216 Mio. Pfund) und Spanien (rund 87 Mio.Flaschen/188 Mio. Pfund). Deutschland zählt zu den zehn größten Abnehmern mit damals rund 31 Millionen Flaschen (etwa 69 Mio. Pfund). Kürzlich wurde sogar ein Rekordhoch erzielt: Scotch Whisky war in den Jahren 2011/2012 mit einem Umsatz von 4,23 Milliarden Pfund für ein Viertel der britischen „Food and Drink“-Exporte in alle Welt verantwortlich!

Dieser prosperierende Wirtschaftszweig bietet mittlerweile nicht nur rund 35.000 Beschäftigten hauptsächlich in ländlichen Gebieten Vollzeitarbeit, er füllt das staatliche Steuersäckel jährlich auch mit über 1 Milliarde Pfund. Allein pro verkaufter Flasche Whisky bezieht der britische Staat 7,16 Pfund Steuern. Mit 66% Value Added Tax (VAT) ist dies der höchste Steuersatz auf Whisky in Europa. Der leidige Nebeneffekt: Aufgrund des hohen Steuersatzes ist die im eigenen Land produzierte Flasche Whisky teurer als das Exportprodukt in Frankreich, Italien oder Deutschland.

„Die Abgabenpolitik der britischen Regierung ist unbegreiflich. Im Ausland lacht man schon über uns. Wer außer den Briten würde ein Inlandsprodukt, wie in diesem Fall Scotch Whisky, weit höher besteuern als etwa Importweine“, meinte Autor Richard Grindal in seinem 1992 erschienen Buch „Das Whisky Brevier“. Und tatsächlich, die britische Politik für die Besteuerung von Whisky, dieser bittere Zankapfel, hat eine bewegte Geschichte: sie war immer willkommener Anlass, gegen die zentralistische Regierung im fernen London zu wettern und durch Steuerhinterziehung die eigene Unzufriedenheit, aber auch das stete Verlangen nach mehr Unabhängigkeit gegenüber dem englischen Nachbarn zu dokumentieren. 1644 erließ das schottische Parlament mit dem Excise Act erstmalig in der Geschichte der Whiskyherstellung gesetzliche Richtlinien, nach denen aqua vitae oder andere hochprozentige Spirituosen mit 2s.8d. pro schottischem Pint versteuert werden mussten. Im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder triftige und weniger triftige Gründe für die Regierung, die Whisky-Steuer zu erhöhen – sei es, um aufgrund hoher Kriegsausgaben den Staatshaushalt wieder zu konsolidieren oder wegen schlechter Ernteerträge oder allgemein den zu hohen Alkoholgenuss oder die Produktion und damit den Genuss von Whisky zu kontrollieren, was einer Form der Prohibition gleichkam. Aus welchem Grunde auch immer die Whisky-Steuer schließlich erhöht wurde, derlei Einflussnahme auf die Produktion und den ungehinderten Genuss des nationalen Heiligtums Whisky führte erwartungsgemäß stets zu großer Unzufriedenheit, illegalem Unternehmertum und Schmuggel.

Und wieder war es der Dichter und ehemalige Steuerbeamte Robert Burns, der in seinen Gedichten und Liedern die nationale Stimmungslage zum Thema Whisky-Steuer wiedergab. Burns war nicht nur Patriot, sondern auch Whisky-Kenner und -Genießer. Und mit seinem Gedicht

„O thou, my muse! Guild, auld Scotch drink!
Whether thro‘ wimplin worms thou jink,
or, richly brown, ream owre the brink,
in glorious faem, inspire me,
till I lisp and wink,to sing thy name!“

sprach er seinen Landsleuten aus dem Herzen.

Whisky steht demnach geradezu für eine Philosophie, für die mystisch-spirituelle Verkörperung aller Grundelemente der Erde und des Menschen, aus denen er
hervorgeht und durch die er entstanden ist. Die wirtschaftliche und historische
Bedeutung des Whiskys für das Land und seine Bewohner haben auch noch andere Persönlichkeiten der Geschichte erkannt, wenn es um Fragen der Besteuerung oder umständehalber um die Beschränkung der Grundstoffe zu seiner Herstellung ging, wie etwa Winston Churchill in einer Petition anlässlich der Rationierung von Gerste nach
dem Zweiten Weltkrieg: „On no account reduce the barley for whisky. This takes
years to mature and is an invaluable exportand dollar producer. Having regard to
all our other difficulties about export, it would be most improvident not to
preserve this characteristic British element of ascendancy.“

Der Geist der schottischen Geschichte und des cleveren Unternehmertums ist ja geradezu – die Whiskybranche wird nicht müde, dies in ihren Werbeanzeigen zu betonen – im Whisky destilliert. Nicht von ungefähr fanden Thomas Dewar und andere Whisky-Barone der Jahrhundertwende, die ihre Produkte im Ausland verkaufen wollten und auf der Suche nach neuen Märkten waren, ihre ersten und treuesten Abnehmer unter ausgewanderten Schotten in Australien, Kanada, Neuseeland, Hongkong, Südafrika und anderen Mitgliedern des Commonwealth.

Für eine Nation mit einer langen Tradition in Sachen Geschäftstüchtigkeit ist es daher nur logisch, wenn hier beide Charaktermerkmale sinnvoll miteinander kombiniert werden, um diese einerseits in gewissem Sinne einem interessierten Publikum zu präsentieren und zugleich einen finanziellen Nutzen daraus zu ziehen – wie es zweifelsohne der Fall ist mit der Lancierung der sechs Classic Malts of Scotland (Oban, Glenkinchie, Lagavulin, Tallisker, Dalwhinnie und Cragganmore) und dem die Aktion begleitenden Kundenjournal „The Spirit of the Classics“ (1.Edition Januar 1996), die von der Classic Malts Society herausgegeben wird sowie mit der Touristenattraktion des Official Speyside Malt Whisky Trail. Speyside wird allgemein als das Kernland der schottischen Whiskyproduktion bezeichnet. Hier sind rund die Hälfte aller Brennereien des Landes ansässig. The Official Speyside Malt Whisky Trail ist ein Rundkurs von etwa 110 Kilometern. Entlang dieser landschaftlich attraktiven Hochlandstraße, die von Keith über Rothes nach Dufftown, Tomintoul und zurück führt, liegen die bekanntesten Destillen wie etwa Strathisla in Keith, Glenfiddich in Dufftown, Tamnavulin and The Glenlivet entlang des Flusses Livet, Glenfarclas in der Nähe von Ballindalloch sowie Tamdhu, Cardhu und Glen Grant in Rothes.

Jede dieser Brennereien können Besucher besichtigen (meist während der Sommermonate) und sie alle haben sich sowohl in ihrer Betriebsorganisation als auch durch ihren werblichen Auftritt auf den Tourismus eingestellt. Die Werbeprospekte des Scottish Tourist Board beschreiben diese Attraktion ausführlich. Und eine Zeitungsanzeige, die von Seagrams Germany in den 1990er Jahren in deutschen Printmedien regelmäßig geschaltet wurde, warb für ihren Glen Grant Highland Malt Scotch Whisky mit folgendem Text: „Der Whisky, der hier noch in nostalgischer Art und Weise hergestellt wird, verzichtet auf jegliche computergesteuerte Unterstützung, wie sie in anderen Destillerien längst üblich ist.“

Eine der größten, bekanntesten und erfolgreichsten Whiskybrennereien Speysides und Schottlands ist Glenfiddich in Dufftown, die sich professionell auf Besucher aus aller Welt eingestellt hat und diese Form der Öffentlichkeitsarbeit als ein wesentliches Merkmal ihrer Marketingstrategie versteht. Die Brennerei wurde 1887 von William Grant & Sons und ist noch im Besitz der Familie. Glenfiddich ist tatsächlich eine Art Whisky-Disneyworld. Die Destille hat neben dem obligatorischen Besucherzentrum mit Kinosaal (in dem audio-visuell in sechs Sprachen die Geschichte des Unternehmens und seinem Produkt präsentiert wird) einen großen Busparkplatz und sogar ein eigenes „Fremdenverkehrsamt“, das Hotel- und Pensionszimmer in der Umgebung vermittelt. Die Filmvorführung sowie die Führung durch die Brennerei und die Lagerhäuser und der wee dram of Glenfiddich am Ende der Tour sind gratis.

A wee dram of whisky, dieser kleine Schluck Whisky, der als Phrase längst
Einzug gehalten hat in den offiziellen schottischen Sprachgebrauch, wird mittlerweile
als Synonym betrachtet für einen kulinarischen Ausflug in die Geschichte Schottlands
und dient gleichermaßen als Vehikel für die Illustration derselben. Treffende Beispiele
dafür sind sicherlich der Whisky-Liqueur Drambuie, dessen Flaschenetikett mitteilt,
dass es sich hier um einen „The Isle of Skye Liqueur“ bzw. „Prince Charles Edward’s Liqueur“ handelt und darüber hinaus wissen läßt: „This ancient and delicate liqueur
was prepared in Skye when the recipe was first brought to Scotland in 1745.“
Also zu einem Zeitpunkt der schottischen Geschichte, der noch heute, 266 Jahre nach der Schlacht bei Culloden, recht deutlich im nationalen Bewusstsein manifestiert ist.
Oder Glenfarclas‘-Zeitungsanzeige für ihren Single Highland Malt Scotch Whisky,
die mit dem Slogan „The Spirit of Independence“ wirbt. Bemerkenswert hierbei ist,
dass die Brennerei erst 1836 gegründet wurde, also lange nach der
Union der Parlamente im Jahre 1707.

The Official Malt Whisky Trail ist Teil der National Heritage Industry – einer immer
noch boomenden Branche, repräsentiert von dem Konsortium Scottish Tourist Board, Historic Scotland und The National Trust for Scotland, das sich für die Pflege und
nationale sowie internationale Vermarktung des eigenen geschichtlichen Erbes engagiert. Und entlang des Whisky-Trails wird dieses Erbe sinnbildlich in Form von Whisky
zunächst die gesetzmäßigen 3 Jahre bis hin zu 10, 12, 15, 20 oder mehr Jahren in
Sherry- oder ausgekohlten Eichenfässern gelagert, schließlich in Flaschen abgefüllt
und mit einem romantisch-nostalgisch anmutenden Etikett versehen.
Und wenn schon: Das Zeug ist pure Magie!

Zum Schluss noch etwas Erhellendes von „ganz oben“:
Once upon a time in the Kingdom of Heaven, God went missing for six days.
Eventually, Gabriel the archangel found him, resting on the seventh day. He inquired
of God: „Where have you been?“. God sighed a deep sigh of satisfaction
and proudly pointed downwards through the clouds: „Look Gabriel, look what I’ve made!“.

Achangel Gabriel looked puzzled and said: „What is it?“. “It’s a planet“, replied God,
„and I’ve put LIFE on it. I’m going to call it Earth and it’s going to be a great place of balance“. „Balance?“ inquired Gabriel, still confused. God explained, pointing to
different parts of Earth: „For example, Northern Europe will be a place of great opportunity and wealth while Southern Europe is going to be poor; the Middle East over there will be a hot spot. Over there I’ve placed a continent of white people and over there is a continent of black people.“ God continued, pointing to different countries: „And over there, I call this place America. North America will be rich and powerful and cold, while South America will be poor, and hot and friendly. And the little spot in the middle is Central America which is a hot spot. Can you see the balance?“
„Yes“, said the Archangel, impressed by Gods work, then he pointed to
a small country in Northern Europe: “What’s that one?”

„Ah“, said God, „that’s Scotland, the most glorious place on Earth. There are beautiful snow capped mountains, untouched rivers, streams and lochs of exquisite, timeless beauty. The people make a drink called Uisge Beatha or Whisky which means
‚The Water of Life’. The people are good looking, intelligent and humorous and they’re going to be found travelling the world. They’ll be extremely sociable, hard-working and high-achieving, and they will be known throughout the world as warriors, engineers, inventors and pioneers.“ Gabriel gasped in wonder and admiration, but was confused: ‚“You said there will be BALANCE!“ God replied wisely:
„Wait until you see the bastards I’m putting next to them!“

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hallo,
    schöner Artikel, da ich auch auf meinem Blog zu diesem Thema schreibe, unter http://www.wein-spirituosen-ratgeber.com werde ich sicher ab und zu vorbeischauen und mal schauen was Du so schreibst. Ich war aktuell gerade ein paar Tge in Edenburgh, sehr schöner Weihnachtsmarkt… und habe dort ein tolles Whiskyseminar besucht. Sollte man sich gönnen wenn man einmal die Gelegenheit dazu hat.

    Gruß Volker

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    1. Hallo Volker,
      besten Dank für Dein Interesse. Ach ja, Edinburgh – ist schon eine aufregende und spannende Stadt. Ich war bislang noch nicht zur Weihnachtszeit dort, das sollte ich unbedingt einmal nachholen! Es wird ohnehin mal wieder Zeit…
      Deinen Wein- und Spirituosen-Ratgeber will ich mir gern mal näher ansehen. Auf ein baldiges Wiedersehen – sowohl hier als auch bei Dir. Bis dahin wünsche ich einen vergnüglichen Rutsch!

      Gruss von Matthias aus Hannover

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