Prost Neujahr!


DSC_5786Zum Jahreswechsel gab’s wieder einmal eine Riesenparty. Und einen Riesenkater!
Same procedure as every year! Am Neujahrsmorgen lag vermutlich die gesamte
Nation von Kampen bis Kempten in Sauer. „Der überflüssigste Ratschlag nach einer durchzechten Nacht ist der, man hätte nicht soviel trinken sollen“, meint Weinpabst
August F. Winkler. Recht hat der Mann! Aber das hilft ja auch nicht weiter, wenn es
einen erst einmal erwischt hat am nächsten Morgen. Wenn unweigerlich der Katzenjammer kommt, das fürchterliche Erwachen mit dem für alle Ewigkeit
geltenden Versprechen: Nie wieder Alkohol!

Silke Schrewe von der Deutschen Cocktail-Akademie hat da schon pragmatischere Vorschläge: „Generell gilt: Alles durcheinander trinken – das führt zum Fiasko!
Am besten, man bleibt bei einer Sorte von Getränk, beispielsweise Cocktails.
Die sollten immer auf einer Basis-Spirituose gründen, also Rum oder Gin.
Sobald etwas anderes wie etwa Brandy mitmischt, ist man früher oder später
hoffnungslos verloren.“
Nützlich auch ihr Hinweis, dass süße Mixgetränke einen
Kater in spe fördern, trockene hingegen eher harmlos sind.

Doch selbst wer nur im Wein die Wahrheit sucht und sich dabei der wahren Rebenslust hingibt, lebt nicht ganz ungefährlich: „Der Weinstock trägt drei Trauben: die erste bringt die Sinneslust, die zweite den Rausch, die dritte das Verbrechen“, diagnostizierte schon Epiklet (60-140 n. Chr.). Viel Lärm um die Lust(ig)macher, doch soviel jedoch weiß die Wissenschaft bereits: Alkoholische Getränke regen das Sexualzentrum im Zwischenhirn an, schwächen Kontrollmechanismen wie Angst und Hemmungen und verleihen der Fantasie Flügel. Der Nachteil dabei: In höherer Dosierung wirkt der Botenstoff Alkohol dämpfend auf das zentrale Nervensystem, ist verantwortlich für den Anstieg der Nebennierenhormone und des Blutdrucks und entzieht darüber hinaus dem Körper viel Flüssigkeit, wertvolle Mineralstoffe sowie Salze.

Cocktails & Co. schmeicheln zwar dem Gaumen und beruhigen die Seele, bringen
den Körper aber in eine Stresssituation. Damit nicht genug:  Am Ende einer (be)rauschenden Nacht machen sich schließlich leichte Entzugserscheinungen
bemerkbar, der Kater – hervorgerufen durch Acetaldehyd, ein höchst unverträgliches Abbauprodukt des Alkohols. „Kater“, ein Reizwort für die wahrlich barbarische
Verfassung, in der man sich am nächsten Tag befindet und die sich allzu oft leider
nicht nur lokal auf den Kopf beschränkt, sondern schon mal den gesamten Körper empfindlich in Mitleidenschaft ziehen kann. Wie und was da wirkt, beschreibt das
Roche Medizin Lexikon ganz nüchtern: „Kater: Zustand körperlicher Hinfälligkeit und trauriger Verstimmung vor allem nach Alkoholgenuss.“ Begleitet wird dieser
bedauerliche (Ausnahme-)Zustand zu allem Überfluss noch von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Gereiztheit und evtl. Temperatursteigerungen.

Und das nach all der Fröhlichkeit und Euphorie, dem Rededrang und der Selbstgefühlsteigerung, die der nächtliche Rausch als „kurzdauernde symptomatische Psychose mit verminderter Schmerzempfindlichkeit, Bewegungsdrang gefolgt von Bewegungsstörungen, Spracherschwernis, psychischer Enthemmung, Denkstörung
und möglicher Amnesie“
(lt. Roche Medizin Lexikon) uns beschert hat. Das ist, bei
aller Liebe zum Detail, im sprichwörtlichen Sinne niederschmetternd. Und so fühlt
man sich dann auch am nächsten Morgen oder Mittag.

Um das unliebsame „Haustier“ möglichst flott wieder loszuwerden, hilft nur selten das, was den Kater verursacht hat. Und die bereits fix und fertig gemixten Trend-Tinkturen, die gelegentlich den Weg ins Getränkeregal finden, führen auch nicht immer zum gewünschten Erfolg. Entweder es wird alles nur noch schlimmer – oder es tut sich gar nichts. Verlässlicher, weil weltweit bewährt, sind da schon die klassischen Hangover-Killer wie etwa eine „Bloody Mary“ oder ihre alkoholfreie Schwester „Virgin Mary“ und natürlich frisch gepresste Säfte. Silke Schrewe empfiehlt die Wahl von exotischen Früchten: die lassen sich gut kombinieren und raffiniert mit einem Spritzer Limone oder Zitrone verfeinern. Kernobst wie Äpfel oder Birnen hingegen eignen sich weniger, weil ihre Zubereitung zu aufwendig ist. Es soll ja fix gehen und wirken wie eine heiße Dusche – die übrigens auch ein geeigneter Katerkiller ist, da Hitze den gestressten Organismus anregt, den Restalkohol zügig zu verbrennen!

Damit das neue Jahr nicht schon in der ersten Woche gelaufen ist, kommen hier ein paar gut gemeinte Tipps gegen den Katzenjammer von einigen, die es wissen müssen:

Biagio Tropeano (Sommelier und Inhaber vom Restaurant
„Tropeano di-Vino“ in Hannover)
Sein persönlicher Katerkiller
„Ich mache mir eine kalte Zabaione, wie sie mir meine Großmutter immer zubereitet hat. Ich schlage zwei frische Eier und reichlich Zucker mit einer Gabel zu einer Crème und die gieße ich dann in meinen frischen Espresso. Eine richtige Vitaminbombe, die mich sehr schnell wieder fit für den Tag macht.“

Das empfiehlt er seinen Gästen
„Wer einem Kater vorbeugen möchte, sollte ein Stück geräucherten Aal essen, denn das Fett verzögert im Blut die Aufnahme des Alkohols. Wenn’s denn doch passiert ist, hilft ein „Austernei“ (ein rohes Ei, in einer flachen Schale mit etwas Tomatensaft, ein paar Spritzern Worcestersauce und Tabasco mit einander verquirlen und in einem Zuge trinken) oder ein Gläschen Fernet Branca – man sagt, er habe magische Kräfte – , denn tatsächlich steigert er die Galleproduktion und regt die Leber an, den Alkohol abzubauen. Und danach ein großes Glas Minaralwasser und trockenes Weißbrot mit Olivenöl, das den unruhigen Magen entspannt.“

Thomas Fischer („Oscar’s Bar“ in Hannover)
Sein persönlicher Katerkiller
„Reichlich Ractif-Multivitaminsaft trinken – das Wunderzeug mit viel Magnesium, das der Alkohol dem Körper ja vorher entzogen hat und dann zu den üblen Kopfschmerzen führt. Und dazu ein saftiges Bratwürstchen vom Grill mit scharfem Senf. Das bringt mich nach vorn.“

Das empfiehlt er seinen Gästen
„Oscar’s pick me up“ (1 kleine Sardelle, 5 Kapern, 10 cl Tomatensaft, 5 cl Consommée; alles pürieren und mit Salz/ Pfeffer abschmecken, für aussichtslose Fälle mit Vodka mischen) bzw. „Nusha’s leichte Überraschung“ (Grünen Tee nach Packungsvorgabe kochen und abgießen, 15 cl Sake und etwas geriebenen Ingwer hineingeben, mit Honig, Salz und Muskat abschmecken; dazu ein „Bifi“ oder drei frische Austern).“

„Lechthalers Katerkiller“ (aus dem Cocktailbuch „Mixed Double“)
– 8 cl Tomatensaft
– 12 cl kalte doppelte Kraftbrühe
– Selleriesalz oder frisch gepreßter Saft aus 1 Selleriestange
– Tabasco
– Paprikapulver
– Worcester-Sauce und schwarzer Pfeffer
Alles der Reihe nach in ein Glas mit Eiswürfel geben und nach Geschmack würzen. Bei Jetlag noch 5 cl weißen Tequila hinzugeben.

„Udos pick me up“ (aus dem Cocktailbuch „Mixed Double“)
– 3 cl Orangensaft
– 1 cl frisch gepreßter Zitronensaft
– 1 cl Mangosirup
– 2 cl Pusser’s Rum
Das Ganze im Shaker gut schütteln und in ein vorgekühltes Glas schenken. Mit prickelndem Champagner auffüllen und einmal umrühren.


Andere Länder, andere Kater
Überall auf der Welt wird gerne einer über den Durst getrunken.
Gegen den Kater aber hat fast jedes Land sein eigenes Erfolgsrezept:

Brasilianer schlucken vor der Fiesta einen Esslöffel Olivenöl,
damit der Alkohol nicht so schnell vom Körper absorbiert wird

Chinesen schwören auf die bewährte Methode des Ginsengwurzel-Kauens:
immer vor und während des Gelages roh und in kleinen Stücken,
dann hat der Kater keine Chance

Dänen vertrauen vor jeder Party auf einen Viertelliter süße Sahne

Engländer essen Fish & Chips und Sausages, nach dem Motto: Viel Fett hilft viel!

Franzosen nehmen einfach ein Aspirin, wenn es sie erwischt hat
und sie eine gueule de bois (eine „Holzfresse“) haben

Italiener behelfen sich in der Katernot mit einem alten Hausmittel:
heißer Espresso mit Zitronensaft. Soll wahre Wunder wirken!

Japaner knabbern an gesalzenen Trockenpflaumen, die zuvor
in warmem Wasser eingeweicht wurden

Mexikaner genehmigen sich einen Tequila, wenn der Kater
bereits wütet und schlürfen danach heiße Hühnerbrühe

Spanier futtern vorher reichlich Tapas. Die kleinen Appetithappen
sind oft salzig und sehr fetthaltig belegt und geben dem
Körper vorab, was der Alkohol ihm schließlich entzieht

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