Coffeetime (1/6)! „Huth’s Kaffee“ in Celle


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Huth’s Kaffee – vom Hoflieferanten zum Feinkostgeschäft

Sobald die Ladentüre ins Schloss fällt, herrscht antiquarische Ruhe. Selbst die Verkäufer, tadellos gekleidet mit Kittel, Schlips und Kragen, bedienen mit gedämpfter Stimme. Vielleicht aus Respekt vor der Tradition, denn  jedes Stück des betagten Inventars ist Geschichte: der massive Verkaufstresen, die Schubladen und Schatullen mit ihrem wundersamem Inhalt, die vier imposanten Glaszylinder mit prächtig verziertem Kupfersockel und gefüllt mit edlen Kaffeebohnen von den weltbesten Plantagen.

Die soliden Holzregale sind bis unter die Decke akkurat bestückt mit Delikatessen aus aller Welt: Wein aus Kalifornien, Zuckerrohrschnaps aus Brasilien, Senfpulver aus England, Gebäck und Whisky aus Schottland, Kaviar aus Russland, schwarzer Tee aus Indien, grüner aus Japan, Bienenhonig aus der Lüneburger Heide. Ein verführerischer Mikrokosmos feinster kulinarischer Genüsse und ein Paradies für Gourmets.

BildWer die Ladentüre von Friedrich Huth Nachf. am Großen Plan öffnet, geht mit einem Schritt 50 Jahre zurück in die Vergangenheit und betritt 100 konservierte Quadratmeter aus der guten alten Zeit in einem Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert. Die honorable Kaffeerösterei, 1851 gegründet, ist eine Melange aus Kolonialwarenhandel und Feinkostgeschäft – und ein Relikt unter den Celler Fachgeschäften, in dem Feines für Kühlschrank und Keller verkauft wird. Damals war dies noch eine „Materialwarenhandlung“: Garn, Kerzen, Petroleum und andere nützliche Dinge umfasste das Sortiment, mit dem einst der königliche Hof ein paar Straßenzüge weiter beliefert wurde.

Aus dieser Zeit stammt auch das königlich-hannoversche Wappen an der Fassade. Im Sommer 1896 sollte das Schild auf Anordnung eines energischen Polizeikommissars entfernt werden. „Es gibt keinen hannoverschen Hof mehr!“, proklamierte dieser preußisch korrekt. Das passte Hermann Bock, der das Geschäft gerade von Friedrich Huth übernommen hatte, nun gar nicht. Und so ließ er des nachts das Wappen ändern und machte den Löwen zum Schafbock. Das Schild blieb. Bis heute.

Hermann Bock erweiterte sein Sortiment dann um Tee- und Kaffeespezialitäten, sein
Sohn Arthur verfeinerte das Angebot. 1945 nahm der Junior den gelernten
Kaffeeröster Wilhelm Schwanitz mit ins Geschäft, der die alteingesessene Adresse
1948 schließlich übernahm, die heute der Sohn Dr. Joachim Schwanitz führt.

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Jeden Morgen, außer am Samstag, steht der gelernte Jurist für zwei Stunden in
seinem kleinen Refugium im Hinterhaus und röstet die handverlesenen Kaffeebohnen
aus den derben Jutesäcken – edle Hochgewächse, die andere Geschäfte nicht
anbieten, weil die Mengen zu gering wären. Und immer testet er gewissenhaft
eine Probe seines Brandes, denn der gute Geschmack geht bei ihm über alles.
Wenn der nicht stimmt, geht der Sack zurück an den Importeur. „Wir kaufen nicht
den Preis, sondern die Qualität“ sagt er mit kaufmännischer Stimme.
Und das ist sicher auch ein Grund, warum viele Kunden seit einem halben
Jahrhundert ihren Frühstücks-Muntermacher von Huth’s Kaffee beziehen.

Huth’s Kaffee
Großer Plan 7
29221 Celle
Tel. 05141-60 08
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9 bis 18 Uhr; Sa 9 bis 14 Uhr
www.huthskaffee.de

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