Angebissen: Die Erfolgsgeschichte des Hamburgers


Hamburger - Foto: Matthias KotheDas berühmteste Fotomodel dieses Planeten hat die Traummaße 10-4-1: Der Hamburger. Der Bestseller der Fast-Food-Branche mit seiner handlichen Figur misst weltumspannend rund 10 Zentimeter im Durchmesser, ist gewöhnlich 4 Zentimeter hoch und absolut einzigartig. Er ist der wahre „Weltburger“, ein Kosmopolit, der überall zuhause ist. Ob in New York, Rio oder Tokio, ob in Alaska oder auf Samoa – der Hamburger ist „in“ und besonders „in aller Munde“. Täglich Millionen Mal setzt er die unterschiedlichsten Nationalitäten an einen Tisch und kennt keinen Kulturschock.

Der handfeste Fleischklops zwischen zwei Sesambrötchenhälften ist zeitlos und Ausdruck eines Lebensgefühls – und in manchen Weltgegenden schon fast die einzig kultivierte Art, auf die Schnelle den Hunger oder wenigstens den Appetit zu stillen. Ob als Ruck-Zuck-Zwischenmahlzeit oder Mini-Menü, diese geniale Kombination aus frisch gehacktem Rindfleisch mit Blattsalat, Tomaten, Gurken, Zwiebeln, allerlei Saucen, saftig verpackt zwischen zwei knusprigen Brötchenhälften, ist ohne Zweifel weltweit das beliebteste Nahrungsmittel. Der Hamburger, ob à la minute oder à la carte, hat sich zum Inbegriff der mobilen Snack-Gesellschaft, einer globalen Burgeria, gemausert. Oder können Sie sich heute noch ein „burgerloses“ Leben vorstellen?

Bis ins 13. Jahrhundert lässt sich die dokumentierte „Burger-Geschichte“ zurückverfolgen, als die wilden Reiterhorden der Tartaren noch weite Teile Asiens und Osteuropa im Galopp überrannten. Wie die Legende berichtet, haben sie bei ihren Raubritten durch Osteuropa von den Kühen der unterworfenen Stämme stets ein Lendenstück herausgeschnitten und dieses unter ihrem Sattel verstaut, bevor sie sich aus dem Staube machten. Am abendlichen Lagerfeuer dann war das Steak nach einem Tagesritt zart geklopft und konnte, zerkleinert und ungebraten, gegessen werden. Die Bewohner der baltischen Provinzen Finnland, Estland und Litauen verfeinerten die Barbarenspeise mit Salz, Pfeffer und dem Saft einer Zwiebel zu einer Spezialität, die wir heute unter Tartar, dem Urahn des Hamburgers, kennen. Jahrhunderte später kam der Hamburger dann in der Hansestadt an der Elbe zu seinem Namen.

Jeffrey Tennyson, Hamburgerologe aus Passion, berichtet dazu in seinerBuletten-Studie „Hamburger Heaven“: „Im 18.Jahrhundert hatte sich Hamburgzum größten Seehafen Europas entwickelt. Die Stadt […] unterhielt privilegierte Handelsbeziehungen mit mehreren russischen Häfen. Die Matrosen, die die Ostsee überquerten, probierten die Lokalgerichte in den russischen Städten und fanden Geschmack an dem rohen Steak, das sie hier kennenlernten.“

Clevere deutsche Köche verbesserten das Tartaren-Steak schließlich noch mit einem rohen Ei und brieten es mit gehackten Zwiebeln. Eine kolossale Erfindung „von gigantischer gastronomischer Bedeutung“, wie Tennyson meint. Denn von Hamburg traten im 19.Jahrhundert die meisten deutschen Auswanderer ihre Schiffspassage nach Übersee an. Außer sämtlich Hab und Gut brachten sie auch ihre heimatlichen Gerichte, u. a. die gebratenen Hacksteaks, mit in die Neue Welt, die als Hamburger Style Steak nun ihren Siegeszug antreten sollten. Die unaufhaltsame Karriere des Hamburgers verlief ebenso turbulent wie seine Vergangenheit und beginnt mit den Worten: Es war einmal in Amerika…

…wo im Jahre 1834 „Hamburger Steaks“ erstmalig auf einer Speisenkarte von New Yorks legendärem Steakhaus „Delmonico’s“ urkundlich erwähnt wurden. Der Hamburger, wie ihn heute alle Welt kennt und geradezu hemmungslos futtert (allein in den USA werden jährlich rund 38 Milliarden! Burger verspeist, im Durchschnitt drei Stück pro Person und Woche), musste indes erst noch erfunden werden.

So, where’s the beef?

Um die Ehre, den Ur-Hamburger (gebratener Fleischklops zwischen zwei Brötchenhälften) als erster erfunden zu haben, bewerben sich nicht weniger als drei Kandidaten: Zum ersten Charlie Nagreen aus Seymour in Wisconsin/USA, der 1885 den Hamburger im Alter von 15 Jahren kreiert haben will und auf Jahrmärkten verkaufte. Dann Frank Menches aus Akron in  Ohio/USA, ebenfalls ambulanter Snack-Händler auf einer lokalen Ausstellung, der 1892 zum Hamburger kam, als ihm die Würste ausgingen. Und schließlich Fletcher „Old Dave“ Davis, der den Hamburger am heimischen Imbiss-Tresen in Athen in Texas/USA angeblich erfand und dem patenten Klops-Brötchen durch Verkauf auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 zu kulinarischem Weltruhm verhalf. Das zumindest behaupten in jedem einzelnen Fall Freunde und Familien.

Fest hingegen steht: Der Koch J. Walter Anderson aus Wichita in Kansas/USA setzte dem Ganzen buchstäblich die professionelle Krone auf, indem er 1921 zusammen mit dem Unternehmer Billy Ingram „White Castle“ gründete und damit die erste Hamburger-Restaurantkette im großen Stil etablierte. „White Castle“ war zudem das erste Unternehmen, das seinen kantigen „Baby Burger“ mit großen Werbekampagnen in Tageszeitungen anpries und ihn mit dem Slogan „Buy ‚em by the Sack“ tütenweise verkaufte.

Der Hamburger verkörperte den Zeitgeist jener Tage. An jeder nordamerikanischen Straßenecke schossen die Imbiss-Lokale aus dem Boden, mit den wildesten Kreationen im Angebot. So wurde beispielsweise auf der Filmranch „Ponderosa“ am Lake Tahoe im Staate Nevada der „Hoss-Burger“ mit extra viel Beef serviert, und an den Straßen in New Mexico wurden „Pueblo-Burger“ mit Chili und einem halben Liter Wasser dazu verkauft.

Bis 1930 hatte „White Castle“ bereits über 100 Filialen in zehn Bundesstaaten der USA, heute tummeln sich nach inoffiziellen Angaben über 250 Lokale im Mittelwesten und Südosten der USA. Im Verhältnis dazu kommt der Marktführer der Systemgastronomie „McDonald’s“ und wahre „Burgermeister“ in den 50 US-Bundesstaaten auf rund 13.000 Filialen (Stand 2009; www.datapointed.net/2009/09/distance-to-nearest-mcdonalds/).

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Das mittlerweile zum Weltkonzern avancierte Unternehmen wurde am 15. Mai 1940 von den Brüdern Maurice und Richard McDonald gegründet und begann seinen Siegeszug mit der Eröffnung der ersten „Drive-In-Hamburger-Bar“ an der E Street im kalifornischen San Bernadino am 20. November 1948. Mit ihrem revolutionärem „Self-Service-Konzept“ eroberte das geschäftstüchtige Duo nahezu im Handumdrehen den Globus. Die Bilanz nach 66 Jahren: Das „McDonald’s“-Imperium exportiert heute den „American Way of Eating“ in 118 Länder mit insgesamt fast 35.000 Restaurants (rund 1.500 allein davon in Deutschland). Die Nummer 2 weltweit ist „Burger King“ mit rund 13.000 Standorten in 88 Ländern (fast 700 davon in Deutschland), auf Platz 3 steht „Wendy’s“ mit 6.700 Burger-Restaurants in immerhin noch 27 Ländern dieser Erde.

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Ob „Big Mäc“, „Wendy’s Old Fashioned Hamburgers“ oder „Whopper“ – das Fast-Food-Geschäft boomt nach wie vor. Kam es noch Anfang der Siebziger Jahre zu einem wahren „Burgerkrieg“ mit Preisschlachten und Werbefeldzügen zwischen den drei Großen, scheinen mittlerweile die Hamburger-Claims abgesteckt. Mehr noch: deutsche Spitzenköche haben mittlerweile Geschmack an dem phänomenalen Mettbrötchen gefunden und servieren Feinschmeckern gern mal einen „Gourmet-Burger“, wie beispielsweise der damalige Sternekoch Jürgen Richter im ehemaligen Maritim-Restaurant „Bakkarat“ in Hannover. Sein Variante: Heidschnuckenburger mit knackigem Salat, Paprika und gartenfrischen Kräutern auf einem mit roter Zwiebelmarmelade bestrichenen Peperonibrötchen.

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