Rückspiegel: „Mr. Kröpcke“ Dietmar Althof


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„Hannover höchstpersönlich“ aus dem Jahr 2006

Dietmar Althof wurde am 3. März 1951 in Vorarlberg geboren und besuchte dort nach der Handelsschule die Hotelfachschule. Danach, mittlerweile schrieb man das Jahr 1970, wollte Dietmar Althof eigentlich hinaus in die Welt und erst einmal in Zürich jobben. Doch die Bekanntschaft mit der damals revolutionären gastronomischen Mövenpick-Philosophie „Essen – Trinken – Genießen“ brachte ihn zum Schweizer Erfolgsunternehmen, wo er für ein Jahr Einblicke in die Bereiche Einkauf, Logistik und Controlling gewann. Nach beruflichen Stopover beim Joint Venture-Partner Holiday Inn in München (1972) und Luxemburg (1973) ging es 1974 für ein Sommerstudium nach St. Louis/Missouri. Während seiner anschließenden Tramptour an die Westküste lernte Althof, damals jugendliche 23, den mittlerweile weltberühmten kalifornischen Winzer Robert Mondavi kennen. Das Resultat dieser Begegnung sowie die drei Monate Aufenthalt in San Francisco ist heute das Restaurant „Opus 1“ im Mövenpick am Kröpcke sowie Althofs Passion für Wein aus dem kalifornischen Napa Valley.

Bereits ein Jahr später kam Althof wieder zurück, diesmal nach Frankfurt und schließlich nach Hannover, wo er seit 1976 lebt und arbeitet. 1982 folgte noch einmal eine kurze Visite im Mövenpick New York, wo der kreative Macher Althof half, die Konzern-Dependancen in den USA mit aufzubauen. „Zwei Tage länger, und ich wäre in New York geblieben, weil mich diese Stadt einfach fasziniert. Aber meine Mitarbeiter in Hannover haben gesagt: Komm zurück, wir brauchen dich hier.“ Dietmar Althof kam – und blieb. Kurz darauf wurde er Chef der hannoverschen Filiale und Regionaldirektor.

„Hannover und Althof – das hat einfach ‘klick‘ gemacht!“

„Mein schönstes Hannover-Erlebnis hatte ich 1975, als wir damit begonnen haben, das Mövenpick am Kröpcke aufzubauen. Auf dem Weg nach Hannover hab ich überlegt, was ich von dieser Stadt kenne, was mich an ihr interessiert und warum ich in diese Stadt komme. Ich wußte damals weder mit dem Namen Kröpcke noch mit Hannover etwas anzufangen. Ich fuhr also in Hannover ein, habe mich etwas verfahren und bin an der Leine gelandet und habe dort die Nanas gesehen. Und da dachte ich mir: eine Stadt, die Kunst von Nicky de Saint Phalle an so außergewöhnlichen Plätzen wie dort an der Leine zeigt, kann nur eine moderne und tolerante Stadt sein. Das hat mich beeindruckt und begeistert. Und das tut es heute noch.“

„Was mich an Hannover begeistert, ist die Kontinuität und der hohe Freizeitwert. Das hängt sicher auch damit zusammen, daß Hannover einen Oberbürgermeister hat, der sich seit über 25 Jahren für diese Stadt einsetzt und der Visionen hat, wie beispielsweise die einer EXPO. Wenn Herbert Schmalstieg einmal abtritt, wird dies eine Stadt sein, die für die kommenden 50 Jahre davon enorm profitieren wird“, prophezeit Dietmar Althof mit seinem unnachahmlichen verschmitzten Lächeln und im blühenden Alter von 47 Jahren („Meine besten Jahre sind vorbei, jetzt kommen die guten“). Man sieht es ihm förmlich an, daß er in diese Stadt verliebt ist. Immer noch. Eine Romanze, die schon fast ein Vierteljahrhundert währt und so frisch ist wie am ersten Tage.

Als er damals, durch die fremde Stadt irrend, mit seinem Wagen an den Nanas vorbeifuhr, durch die Altstadt schlenderte und die Dreidimensionalität von Ballhofplatz, mittelalterlichem Rathaus und Marktkirche bewunderte – nur ein paar Schritte von der Vergangenheit in die Moderne, das hat ihn beeindruckt. Für den Kunstfreund war es Liebe auf den ersten Blick: „Hannover und Althof – das hat einfach ‘klick‘ gemacht!“ Welch famoser Zufall auch, daß sein neuer Arbeitsplatz am Kröpcke direkt gegenüber der niedersächsischen Staatsoper lag. „Ich bin in der glücklichen Lage, daß sich bei mir Freizeit und Beruf vermischen. Theater, Ballet und Oper – das ist meine Welt. Ich habe selbst einige Jahre mit der Gruppe von Erika Maria Lehmann auf der Bühne gestanden. Hin und wieder ruft mich der Intendant von der Staatsoper an und sagt: in einer Viertelstunde kommt der Part des Schwanensee im dritten Akt oder die Arie der Königin der Nacht. Dann schau ich mir das für eine Weile an und bin danach total erfrischt.
Das ist für mich wie eine Dusche für die Seele“, schwärmt Althof.

Für Hannoveraner ist Dietmar Althof einfach nur „Mr. Kröpcke“

Seine Bühne ist heute das Mövenpick-Schlemmerimperium an der alten Reklameuhr und Wetterstation von Konrad Oertel im Herzen der Stadt. Hier kann sich „Mr. Kröpcke“, wie die Hannoveraner den mutigen Schöngeist und omnipräsenten Pragmatiker liebevoll nennen, gastronomisch austoben und verwirklichen. Hier ist er mitten im Geschehen, sprichwörtlich am Puls der Zeit und kann Hannover in allen Facetten genießen.
Weil diese Stadt so unglaublich viel Spannendes und immer wieder Neues zu bieten hat.

Und Althof kann sich für vieles begeistern: Er genießt die Abschlußkonzerte in der Musikhochschule ebenso wie einen Abend bei Werner Buss im Varietétheater GOP an der prächtigen Georgspromenade oder einen Kinobesuch im Cinemaxx. Zuvor zu Pasta und Pizza ins Ristorante Gattopardo und im Anschluß bei einem romanhaften Schinken mit Überlänge wie etwa Der englische Patient den frostigen Sonntagnachmittag verstreichen lassen – einfach wunderbar.

Er schätzt die bemerkenswerten Kunstwerke im Sprengel Museum und in der Kestner Gesellschaft „Das sind zwei Namen von Weltniveau und Hannover kann stolz darauf sein. Ich werde auf meinen Reisen, etwa in die Schweiz oder nach Florenz, immer wieder gefragt: What about the Kestner Gesellschaft? Und dann bereitet es mir großen Spaß, zu erzählen, was sich bei uns in Sachen Kunst tut“. Und er liebt die satirisch-amüsanten Ausstellungen im Wilhelm Busch Museum. Mit den Streichen von Max und Moritz ist Althof groß geworden und es freut ihn, daß die berühmtesten Lausbuben der Welt aus der Stadt kommen, in der er nun zuhause ist. Denn gelegentlich sitzt auch ihm der Schalk noch im Nacken und dann schnallt sich der Mövenpick-Direx seine Inliner an und skatet kurz mal von der Musikhochschule durch die Eilenriede bis hoch zur Händelstraße.

„Manchmal rattere ich aber auch 30, 40 Kilometer einfach so durchs Grüne, mal zum Maschsee, mal nach Herrenhausen oder an die Leineaue. Und da entdeckt man erst, daß Hannover eine überaus Fußgänger- Radfahrer- und Inlineskater-freundliche Stadt ist. Dabei genieße ich es ganz besonders, kurz im Dornröschen, ein idyllischer Biergarten an der Leine, einzukehren und ein Weizenbier oder einen Gespritzten zu trinken. Oder im Biergarten am Lister Turm zu einer Bratwurst und einem ordentlichen Wilkenburger Dunkel vorbeizuschauen. Es ist herrlich, wenn mich kein Mensch erkennt und ich nur in Jeans und T-Shirt den Tag verbringe und mal nicht als ‚Mr. Kröpcke‘ unterwegs bin.“

Dietmar Althof ist gern zu Gast – aber noch viel lieber Gastgeber

Anders ist das, wenn Althof sich beim Uli an den Wilkenburger Teichen mit Forellen fürs Festmahl eindeckt, das gartenfrische Gemüse und die Kräuter dafür beim Türken und Italiener an der Podbielskistraße bezieht oder am Samstagvormittag seine Runde durch die Lebensmittelabteilung in der Galeria Kaufhof zieht, um den Einkaufskorb mit dem Leckersten und Feinsten, was Europa kulinarisch zu bieten hat, zu füllen. Auf die Schnelle geht das nie, denn immer trifft er hier und da Freunde und Bekannte und schwatzt sich gerne fest. Und was macht Dietmar Althof, wenn zuhause die Küche kalt bleibt? „Ich gehe gern ins Il Papagallo, weil ich diese Familie sehr gern mag und man dort wunderbar essen kann. Da hat sich auch im Laufe der Jahre eine enge Bindung ergeben. Ich bin gern zu Gast bei Heinrich Stern im Georgenhof, denn ich schätze seine Persönlichkeit und seine große Kochkunst, und auch Helmut Ammann, der enormes Fachwissen in puncto Wein hat – der Mann ist ein wandelndes Lexikon. Aber – man trifft mich aber auch schon ‘mal sonntags zum Frühstück im Café Tabac, gleich bei uns um die Ecke, oder bei McDonalds. Ich hole mir da einen Big Mäc und freu mich danach auf einen Whisky Sour im Oscar’s gegenüber der Oper.

Und dann ist da noch der Zoo. Am liebsten schlendert Althof an einem nebligen Novembertag durch den Tiergarten und hält Ausschau nach dem Einhorn, seinem Lieblingstier. Den Einwand, daß man gerade dieses Tier dort wohl kaum zu sehen bekommt, läßt er nicht gelten. „Wenn man sich an einem Freitagnachmittag – wenn nur wenig Leute da sind und man sich wunderbar mit sich selbst und den Tieren beschäftigen kann – irgendwo hinsetzt und für eine Weile die Augen schließt, dann begegnet einem im hannoverschen Zoo auch das Einhorn. Plötzlich wird man ruhiger, weicher, zugänglicher.“

Und dann spürt er diese fabelhafte Kraft, sein immerwährender, nervöser Drang nach Kreativität und Selbstdarstellung verblaßt, und der Romantiker in ihm erfüllt ihn mit neuer Kraft. Denn im Grunde ist Althof ein ruhiger, in sich gekehrter Mensch – tiefgründig, unorganisiert, nachdenklich. Eben eher das mystische Einhorn als ein kämpferischer Löwe. Und nach langen besinnlichen Momenten der Einkehr im Novembernebel ist sie wieder da, stärker und ungebändigter als zuvor – Dietmar Althofs Lust auf Hannover.

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