Faire Feinkost für Foodies: „Bi-Rite Market“ in San Francisco


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„Bi-Rite Market“ auf der Divisadero Street in San Francisco

Brot, Wurst, Schinken und Käse, frisches Obst und Gemüse, feines Gebäck und edle Schokolade in herausragend guter Qualität gibt es in San Francisco fast an jeder Straßenecke – das eine hier, das andere dort. Foodies, die sich in der extrem hügeligen Stadt an der Golden Gate Bridge nicht die Füße wund laufen oder kostbare Zeit mit der nervigen Suche nach einem freien und zudem teuren Parkplatz verschwenden wollen, sollten einfach mit der U-Bahn BART von der Market Street am Union Square zum Mission District im Süden fahren oder zur Divisadero Street im Westen der City und entspannt zum „Bi-Rite Market“ schlendern.

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Warum? „Bi-Rite“ hat all die guten Sachen, die uns glücklich machen. Das Hauptgeschäft im Mission District sowie die Filiale auf der Divisadero Street sind eigentlich viel zu klein für die überwältigende Auswahl von erstklassigen Bio-Lebensmitteln aus eigener Herstellung und von Farmen in der Bay Area sowie von kleinen Betrieben und Plantagen aus anderen Regionen in Kalifornien. Die Flure zwischen den prall gefüllten Obst- und Gemüsekisten, Kühlvitrinen, Feinkostregalen und Frischetheken sind eng (oft ist grad Platz genug, um sich mit seinem Einkaufskorb an anderen Kunden vorbeizudrängeln), und das nostalgische Ambiente erinnert an einen Krämerladen aus längst vergangenen Zeiten. Mir gefällt die überaus lebendige und scheinbar chaotische Marktplatz-Atmosphäre, die ganz bewusst nicht so aufgeräumt und unterkühlt sein soll wie in den modernen US-amerikanischen Einkaufstempeln von „Safeway“ und „Whole Foods“ oder wie bei „Edeka“ und „Rewe“ in Deutschland.

Beeindruckend und vorbildlich finde ich auch die „Bi-Rite“-Philosophie: das Lebensmittelgeschäft im Mission District gibt es schon seit den 1960er Jahren, 1997 haben Sam Mogannam und sein Bruder den Familienbetrieb vom Vater übernommen. Damals war die Nachbarschaft noch nicht so trendig wie heute und der Dolores Park um die Ecke kein sonniger Picknickplatz für Familien, sondern die Heimat von Junkies und Obdachlosen. Sam ist eigentlich Koch von Beruf, hat in der Schweiz und in Downtown San Francisco gearbeitet. Aus Erfahrung wusste er, dass es wichtig ist, die Präsentation von Speisen und Getränken so einladend und unterhaltsam wie möglich zu gestalten – auch in einem Lebensmittelladen: schmeichelhafte Beleuchtung, fröhliche Musik im Hintergrund, eine offene Küche und die üppige Beschilderung sind bei „Bi-Rite“ so konzipiert, dass man beim Einkauf reichlich Appetit und gute Laune bekommt.

Von Beginn an hat Sam Mogannam seine Kunden wie Gäste in einem Restaurant gesehen und die Regale und Vitrinen mit Dingen gefüllt, die er schon als Koch geliebt hat: feines Olivenöl etwa und alter Weinessig, gutes Brot und handwerklich hergestellter Käse, Gemüse und Obst sowie Fleisch und Milchprodukte in bester Bio-Qualität und von kleinen Betrieben aus der Region – weil’s einfach besser schmeckt und Sinn macht! Bemerkenswert finde ich auch Sams Fragenkatalog zu all den guten Lebensmitteln, die unter seiner Regie bei „Bi-Rite“ ins Regal kamen und kommen (nachzulesen im Buch „Bi-Rite Market’s – Eat Good Food: A Grocer’s Guide to Shopping, Cooking, and Creating Community through Food“ by Sam Mogannam and Dabney Gough, Ten Speed Press, 304 Seiten, $32.50):
Würden wir die Sachen auch selbst essen und würden wir unsere Kindern damit füttern? Wie wurden sie hergestellt und wo sind sie (auf)gewachsen? Wie sind die Auswirkungen auf die Umwelt? Wie werden die Mitarbeiter behandelt? Können wir uns gut dabei fühlen, wenn wir Artikel von diesem oder jenem Produzenten verkaufen?

Um all diese Fragen für sich zu beantworten, treten Sam Mogannam und sein Team persönlich mit den Produzenten in Kontakt. Sie besuchen regelmäßig die Bauernhöfe, Bäcker, Fischereibetriebe, Metzger, Molkereien und Winzer und machen sich selbst ein Bild davon, wie die Rinder und Schweine gehalten, Fische und Meeresfrüchte gefangen, Gemüse und Kartoffeln angebaut oder die Früchte geerntet werden. Mehr noch: die eigenen Bio-Farmen in Sonoma, Placerville und in San Francisco liefern täglich frische Äpfel, Auberginen, Blattsalate, Feigen, Gurken, Paprika und Tomaten, aus eigener Herstellung kommen Pasteten, Risotto, Räucherlachs und Würste, Mama Mogannam kocht ihre Marmeladen mit Früchten aus dem Obstgarten der Familie in Placerville und auf dem Dach des Hauptgeschäftes im Mission District gibt es einen eigenen Kräutergarten mit Bienenstöcken, die den Honig liefern für die selbst gemachte Lavendel-Eiscreme. Darüber hinaus wird nahezu jedes Produkt erst verkostet und dann entschieden, ob es im eigenen Laden verkauft wird oder nicht. Was den Bi-Rites nicht schmeckt, fragwürdig oder nicht gut genug ist, kommt nicht ins Sortiment. Übergeordnetes Ziel ist dabei, dass die Produkte zueinander passen und miteinander harmonieren. Da kommt bei Sam Mogannam dann wieder ganz der Koch durch. Sein Engagement und die Kompromisslosigkeit, sein Mut und die visionäre Kraft haben sich gelohnt – „Bi-Rite“ ist seit 20 Jahren eine Erfolgsgeschichte.
Bleibt für mich am Ende nur die Frage, warum so wenige diesem guten Beispiel folgen?

Wer jedoch mir an dieser Stelle gern weiter folgen möchte, den lade ich nun ein zu einer Bildertour
durch die beiden Läden. Zum Schluss gibt’s dann auch noch etwas Süßes!

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Bi-Rite Markets
3639 18th Street & 550 Divisadero Street
San Francisco/California
www.biritemarket.com

Die „Bi-Rite Creamery“

Für alle Eiscreme-Verrückten hätte ich noch einen ganz besonderen Tipp zum Dahinschmelzen. Schräg gegenüber vom Hauptgeschäft im Mission District hat „Bi-Rite“ vor über zehn Jahren seine Creamery eröffnet. Seitdem brummt der Laden. Jeden Tag stehen die Leute geduldig bis zu einer halben Stunde in der Schlange, die sich bei jedem Wetter von der Straßenecke zum Dolores Park bis zur winzig kleinen Eisdiele windet.

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Gelassenheit ist dann auch drinnen vor der schmalen Eisvitrine gefragt, weil jeder gern am liebsten alle Sorten probieren möchte und auch soll. Die ansteckend fröhliche und durchweg junge Bedienung nimmt’s entspannt und ist erfreulich spendabel mit den Kostproben der in ganz San Francisco bekannten Eiscreme, die in Handarbeit mit regionalen Bio-Zutaten in nur kleinen Mengen vor Ort produziert wird.  Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum einen Tag ohne Eiscreme auskomme. Ich habe hier in Kalifornien schon so einige Becher leergelöffelt, und die eiskalten Gaumenschmeichler von „Bi-Rite“ sind mit Abstand die besten! Das Schoko-Eis schmeckt und schmilzt so samtig wie echte Schokolade, Zitronen-Eis schmeckt wirklich nach reifen und saftigen Zitronen, Salted Caramel nach cremigem Karamell mit einer eleganten salzigen Note. Ich bin begeistert. Doch das ist längst noch nicht alles.

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Wie schon bei vielen Lebensmitteln, die „Bi-Rite“ in seinen beiden Märkten verkauft, wird auch in der Creamery bei der Herstellung der fulminanten Eiscreme größter Wert gelegt auf die regionale Herkunft und die herausragende Qualität der Bio-Zutaten. Vieles wird selbst gemacht, manches kommt aus der direkten und weiter entfernten Nachbarschaft. In der Bäckerei neben der Eisdiele etwa werden das Erdnusskrokant fürs sündhaft leckere „Malted Vanilla“ und die Snickerdoodle-Cookies für das herrlich nach Zimt schmeckende „Ricanelas“ gebacken, selbst gemacht sind auch die die Marshmallows fürs schokoladige „Rocky Road“ und das Mandel-Toffee für das cremige „Coffee Toffee“. Den Kaffee dafür liefert „Ritual Coffee Roasters“ ein paar Blocks weiter, der Honig für „Honey Lavender“ mit getrocknetem Lavendel wird aus den eigenen Bienenstöcken auf dem Dach über dem Hauptgeschäft geschöpft und die hocharomatischen Erdbeeren für „Strawberry Balsamic“ wachsen auf den Feldern rund um die Swanton Berry Farm im rund 60 südliche Meilen entfernten Davenport an der Pazifikküste. Obendrein sind die Eissorten, von denen viele mit den Jahreszeiten wechseln, wirklich einzigartig: „Black Sesame“ und „Roasted Banana“ habe ich noch nirgendwo anders gefunden, auch „Bombay Chai“ und „Sticky Toffee Pudding“ suchen ihresgleichen. Mein Liebling jedoch ist „Blueberry Cheesecake“, leider nur erhältlich im Spätsommer.

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Der originelle Edelschmelz hat allerdings auch seinen Preis: eine Waffel mit zwei nicht sonderlich großen Kugeln kostet an der Theke $4,50, ein Becher aus dem Kühlschrank (1 Pint = 474 ml) sogar stolze $8,99!

Das schöne Leben in San Francisco ist eben unglaublich teuer, aber erstklassige Eiscreme macht happy und zaubert ein sahniges Lächeln auf die Lippen. Dafür stehen die Leute hier gerne Schlange. Ich auch!

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Bi-Rite Creamery

3692 18th Street & 550 Divisadero Street
San Francisco/California
www.biritecreamery.com

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