Fisherman’s Friend: „Swan Oyster Depot“ in San Francisco


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Jedes Mal, wenn ich in den vergangenen beiden Jahren an diesem winzigen Fischlokal auf San Franciscos Restaurant-Meile Polk Street vorbei geschlendert bin – der Laden war immer voll und die Schlange der hungrigen Gäste davor zog sich nicht selten bis hinunter zur California Street am Ende des Blocks. Außer bei Regen, dann wartet man vielleicht nur eine halbe Stunde auf einen freien Barhocker am schmalen Marmortresen. Wenn’s schnell geht. Meistens geht’s aber nicht schnell, denn das „Swan Oyster Depot“ eine Institution in San Francisco, ein American Classic, Kult, seit über 100 Jahren am Platz und die beste Adresse der Stadt für Fisch und Meeresfrüchte frisch vom Kutter direkt auf den Teller – fix zubereitet, raffiniert mariniert und bezahlbar.

Eröffnet wurde das “ Swan Oyster Depot“ 1912 von den vier nach San Francisco ausgewanderten Gebrüdern Lausten aus Dänemark. 1946 hat Sal Sancimino mit seinen drei Cousins Frank, Pat und Al LaRocca das Geschäft gekauft, das bis heute in Familienbesitz ist und – bis auf die Dekoration an den Wänden und ein paar Neuerungen hier und dort – noch diesen einzigartigen und charmanten Look von damals hat. Sal’s Söhne haben schließlich in den 1970er Jahren übernommen und managen nun mit ihren Söhnen den Laden so unaufgeregt und unkompliziert wie eh und je.

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Die Leute lieben den nostalgischen Charme und den Kitsch zwischen den alten Fotos an den Wänden sowie das lebenslustige Durcheinander und Gedränge an, auf und hinter der Theke. Jeder Zentimeter ist kostbar und wird genutzt: gerade einmal 18, vielleicht 20 Gäste können nebeneinander am Tresen sitzen, Hocker an Hocker und Teller an Teller, von der Eingangstüre bis kurz vor die Toiletten, und der Gang dazwischen ist auch nur gut einen Meter breit.

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Die Menschen aus den umliegenden Vierteln, die regelmäßig zum Lunch oder After Work-Snack vorbeischauen, und die vielen Besucher aus aller Welt stört es nicht – eng ist echt und ehrlich, für modischen Filrefanz und Schickimicki oder feine Tischkultur ist in der fidelen Fischbude einfach kein Platz. Und das will hier auch niemand. Obendrein ist das Essen herausragend gut und für San Franciscos Verhältnisse unschlagbar günstig! Also Leute, meidet den Touristenrummel am Fisherman’s Wharf und macht euch auf den Weg zum „Swan Oyster Depot“!

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Nachdem ihr endlich einen freien Platz ergattert habt, startet euer persönliches Fisch- und Seafood-Fest am besten mit einer herzerwärmenden Suppe mit Venusmuscheln (Boston Clam Chowder) und etwas gesalzener Butter auf einer dicken Scheibe vom guten Sauerteigbrot, gefolgt von einem halben Dutzend Austern und Krabbensalat oder – wenn’s noch edler sein soll – Seeigel und Hummer-Cocktail im Glas.

Garantiert glücklich macht auch das Spezial-Menü von Stammgast Anthony Bourdain, Autor des Bestsellers „Geständnisse eines Küchenchefs“ und ewig hungrig um die Welt reisender TV-Star („No Reservations“, „Parts Unknown“): „My happiest place in America to eat crab backs filled with fat, juicy oysters and enjoy a cold draft beer“. Die vor der Küste von San Francisco gefangenen Dungeness Crabs sind die exklusive Spezialität im „Swan“ und ein echter Leckerbissen – egal, ob als süßlich schmeckendes Fleisch im Crab Louie Salat oder pur.

Übrigens: das kostbare Fett im frisch gekochten Panzer des kalifornischen Taschenkrebses, das Anthony Bourdain so happy macht, verwandelt auch die einfache Salatsauce in eine kleine Delikatesse – wie mein Kollege Omar Mamoon kürzlich in der Online-Ausgabe der Tageszeitung „San Francisco Chronicle“ recht gut beschrieb: „Take, for example, the olive oil and vinegar dressing. Technically this is on the menu as an option to go with your salad, yet it is often overlooked because clearly Louie dressing is always a good move with seafood salads — right? But it’s what’s not written on the menu that’s important. Swan makes its olive oil vinaigrette with equal parts Dijon mustard and crab fat as the emulsifiers. Crab. Fat. If they simply called it crab-fat dressing, it would fly off the shelf. But now you know.“

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Omar Mamoon verrät freundlicherweise noch ein paar andere Köstlichkeiten, die nicht auf der an die Wand getackerten Karte stehen und die ich beim nächsten Besuch unbedingt mal probieren muss:

Sicilian Sashimi
The Sicilian sashimi is more of an open secret — everyone knows about it. But it’s also not on the menu, so there you go. Thinly sliced raw salmon, tuna and scallops are served simply with a drizzle of olive oil, freshly cracked black pepper and some capers and red onions on top. Squeeze a bit of lemon for some acid, and you’ve got a classic off-menu hit.“

A Dozen Eggs
„Ask for a “dozen eggs” and you’ll get a plate of thinly sliced raw scallops dotted with Sriracha that swim in a shallow pool of ponzu. The dish is inspired by a friend and regular who owns a sushi joint in the Richmond. You can also order by the half dozen for a smaller version.“

Smørrebrød, a.k.a. Open-faced Sandwich
„Smørrebrød is an impossible-to-pronounce open-faced sandwich that’s served throughout Denmark for lunch. It’s usually served on dense Danish rye bread and topped with various goodies, ranging from smoked fish to cold cuts to potato salad. At Swan Oyster Depot, you can get basically the same thing — a combination salad topped on three small slices of bread (specify sourdough or rye). They will slather Louie dressing on the bread so it soaks in, then top with lettuce and a mix of fresh seafood. It’s divine.“

„Cash only“ – auch das gehört zum altmodischen Stil des Hauses: keine Kreditkarten, bezahlt wird in bar.

Zum Schluss noch Tipp für alle, die nach einer langen Nacht am Freitag mit einem Hangover ins Wochenende starten: bestellt im „Swan“ einen „Red-Eye Cocktail“ mit Budweiser Light, Austern-, Cocktail- und Worcestershire-Sauce, Tabasco, Zitronensaft und einer Prise Pfeffer – gibt’s nur am Samstagmorgen und killt garantiert jeden Kater!

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“If I died eating at Swan’s counter, I would die a happy man.”
Anthony Bourdain

Swan Oyster Depot
1517 Polk Street
San Francisco/California 94109
Tel. (415) 673-1101
Geöffnet: Mo-Sa 8-17.30 Uhr

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