Bread & Breakfast: „The Mill“ in San Francisco


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Auf meiner Suche nach gutem Brot in San Francisco habe ich auf der Divisadero Street im westlichen Stadtteil Lower Pacific Heights dieses Juwel gefunden: „The Mill“ – eingefasst in einem unscheinbaren Klinkerbau zwischen zwei viktorianischen Häusern, die natürlich nicht annähernd so hübsch herausgeputzt sind wie die in aller Welt bekannten Painted Ladies am Alamo Square gleich um die Ecke. Aber der Schein trügt. Das charmante Café mit der offenen Bäckerei im hinteren Teil des großen Raumes ist ein gemeinsames Projekt von Kaffeeröster „Four Barrel Coffee“ (www.fourbarrelcoffee.com) aus San Franciscos Mission District und dem New Yorker Selfmade-Bäcker Josey Baker (www.joseybakerbread.com). Das noch junge Duett wurde erst im Februar 2012 eröffnet, ist seither erfreulich erfolgreich und gehört jetzt auch zu meinen Lieblingsläden in diesem Teil der Stadt.

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Mir gefällt die lässige Einrichtung und die lockere Stimmung an den kleinen Tischen und zu beiden Seiten der langen Tafel. Gleiches gilt für die farbenfrohe Kunst an den weißen Wänden und das schicke Kaffeegeschirr zwischen dem Grünzeug im schachteligen Holzregal. Und ich mag die jazzige Musik, die vom Plattenspieler hinten auf der Kommode beschwingt den gesamten Raum ausfüllt und den Tag in San Francisco einmal mehr zu etwas Besonderem macht.

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Der Blickfang für mich aber ist die offene Backstube direkt hinterm Tresen mit dem „Kornspeicher“ über dem Ofen zur Rechten und der Steinmühle hinter der Glastür zur Linken, mit der ständig das Mehl für die guten Brote gemahlen wird – was ich übrigens so noch in keiner anderen Bäckerei in San Francisco gesehen habe.

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Am großen Holztisch neben dem Ofen stehen die Bäcker, wiegen die Teiglinge ab, bringen sie in Form und backen täglich rund 400 Brote, die mich an die besten Handwerksbäcker bei uns in Deutschland erinnern: handfeste, schwere Laibe aus lang geführtem Sauerteig und vollem Korn mit kräftig brauner Kruste, luftig und saftig in der Krume, aromatisch und herzhaft, echt und ehrlich. Nur mit dem Salz sind die Jungs für meinen Geschmack etwas zu zaghaft. Und natürlich sind gut 7 bzw. 8 Dollar für ein handwerklich gebackenes Brot – zumindest für uns Deutsche – ein recht stattlicher Preis, ganz zu schweigen von den buchstäblich gepfefferten 3,99 Dollar für’s „Black Pepper Parmesan Bun“. So what! Das faustgroße Sauerteig-Brötchen ist vom ersten bis zum letzten Bissen einfach unglaublich lecker. Außerdem gönnt man sich diesen exklusiven Genuss auch oder gerade im teuren San Francisco nicht alle Tage!

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Das Know-how und die Rezepturen für die kernigen Backwaren kommen von Josey Baker (der Mann heißt wirklich so!) – einem jungen Wilden aus New York, der 2005 nach San Francisco kam, um in Berkeley auf der anderen Seite der Bay zu studieren. Seine akademische Karriere hat er wohl in dem Moment an den Nagel gehängt, als er – wie sich gut auf seiner Webseite nachlesen lässt – fünf Jahre später von einem Freund aus Jugendtagen eine Starterkultur mit einem handgeschriebenen „Beibackzettel“ bekam und die Sache mit dem Brotbacken aus Spaß an der Freude einfach mal zuhause im eigenen Ofen ausprobierte.

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Der damals 32jährige muss schon damals verdammt viel Lust aufs Backen, reichlich Talent und ein gutes Händchen gehabt haben: wie heute in seiner Profi-Backstube stapelten sich die Brote in der Küche fix dicht an dicht – zuviel, um sie alle selbst zu essen oder gar einzufrieren. Also hat Josey Baker sie an Freunde verschenkt und in der Nachbarschaft verteilt – bis zum Morgen am Thanksgiving-Tag, als überraschend völlig Fremde vor seiner Tür standen und sein Brot kaufen wollten. Um es kurz zu machen: im Sommer drauf hat ihn sein Nachbar aus dem Mission District-Viertel und Inhaber der Kaffeerösterei „Four Barrel Coffee“ eingeladen und überzeugt, gemeinsam ein Bäckerei-Café auf der Divisadero Street zu eröffnen – seit nun fünf Jahren stadtbekannt unter dem Namen „The Mill“. In diesen turbulenten Tagen ist das doch mal eine aufmunternde (Erfolgs)Geschichte aus den USA, oder?

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Übrigens: wer das großartige Brot von Yosey Baker noch ofenwarm wegknuspern will, muss im „The Mill“ ins Regal greifen. Aber „Country Bread“, „Dark Mountain Rye“ & Co. gibt es auch in den „Bi-Rite Markets“ (einer davon ist gleich die Straße hinunter), in der „Rainbow Grocery“ auf der Folsom Street und im „Haight Street Market“ sowie in einigen guten Restaurants in San Francisco wie beispielsweise im „Nopa“ und im „Wine Kitchen“ um die Ecke, im „State Bird Provisions“ auf der Fillmore Street oder im „Mission Cheese“ auf der bei Foodies beliebten Valencia Street.

The Mill
736 Divisadero Street
San Francisco/California 94117
Tel. (415) 345-1953
Geöffnet: Mo 7-21, Di-Do 7-19, Fr-So 7-20 Uhr
www.themillsf.com

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