Rembetiko – Hannovers neuer Marktplatz für die griechische Esskultur


Foto: Matthias Kothe

Das neue Restaurant von Konstantin Paraskevaidis (früher „Ouzeri“) zelebriert seit Ende Februar die wahre griechische Esskultur in einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft, das mit akribischer Liebe zum Detail in einen griechischen Dorfplatz verwandelt wurde – mit farbenfrohen Hausfassaden und alten Holztüren, Laternen und Lehmwänden, Bäumen und Brunnen, mit Gemüsestand und Grillplatz, Steinfussboden und Sternenhimmel.

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In der offenen Markt-Küche wird gekocht wie in Hellas – nach den Rezepten der „Remebetes“ (Übersiedler, die 1922 im griechisch-türkischen Krieg aus Kleinasien vertrieben wurden und neben melanchonischer Musik auch ihre Kochkultur mitbrachten) und in der Tradition der geselligen Tischgemeinschaft „Parea“.

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Die Speisenkarte umfasst gerade einmal fünf Blätter, üppig mit Fleisch gefüllte Grillteller wird man darauf jedoch vergeblich suchen. Anders als in den von uns Deutschen über die vergangenen Jahrzehnte so lieb gewonnenen „typisch“ griechischen Ouzo aufs Haus-Restaurants werden im „Rembetiko“ eine Vielzahl von Vorspeisen, Appetithappen, Beilagen und kleinen Portionen mit Fisch oder Fleisch serviert (3-9,50 Euro) – und wie in einer Taverne auf Korfu oder in der Altstadt von Athen kommen kalte und warme Speisen zeitgleich an den Tisch.

Es gibt auch Tellergerichte, die beschränken sich auf Spezialitäten mit Lammfleisch (14,90-18,90 Euro) und im ganzen gerillte Edelfische wie Dorade Royale (15,90 Euro) oder Loup de Mer (16,90 Euro) sowie auf Gemüse- und Nudel-Aufläufe (8,90-11,50 Euro) und das Lammgulasch (8,90 Euro) im Tontopf.

Die Portionen sind absolut ausreichend (die Unsitte von randvollen Fleischtellern ist erfreulicherweise nicht mehr zeitgemäß), es gibt Stoffservietten, der Salat kommt knackig frisch samt aromatischem Dressing an den Tisch, die fingerdicken Weißbrotscheiben dazu sind noch ofenwarm, die Preise: angemessen, die Atmosphäre im Lokal mit seinen 285 Plätzen: überaus lebendig – gerade so, wie ich es auch auf einem gut besuchten Marktplatz unter freiem Himmel erwarten würde.

Foto: Matthias Kothe

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Doch was bedeutet eigentlich „Rembetiko“? Die vier melancholischen Silben sind der sinnliche Blues der Griechen. Rembetiko ist eine eigenständige Kultur und ein Teil der nationalen Identität, die im Jahr 1922 hauptsächlich in Athen und Thessaloniki entstanden ist. Rembetiko ist eine schwermütige Musik übers Leben, das Leiden und die Liebe – erfunden und damals gesungen von Outlaws, Kiffern und Zuhältern in schummrigen Kaffeehäusern und heruntergekommenen Kneipen. Sie nannten sich selbst „Rembetes“ (ein Begriff aus dem Türkischen, der so viel wie „Rebell“ bedeutet) und waren griechische Flüchtlinge, die unmittelbar nach dem letzten Krieg zwischen der Türkei und Griechenland aus Smyrna (dem heutigen Izmir) und anderen Orten Kleinasiens in die Armenviertel von Athen, Piräus und Saloniki vertrieben wurden. Gesellschaftliche Außenseiter, die in ihrer neuen Heimat eine eigene Subkultur gründeten, indem sie ihre orientalische Musik mit den griechischen Traditionen vermischten und so den Rembetiko erschufen – eine Musik mit oft leisen und leidenschaftlichen Tönen, die die Sehnsucht des Fado, die Kraft des Flamenco und die Schwermut des Blues in sich vereint.

Dem griechischen Komponisten, Bouzouki-Virtuosen und Sänger Vasilis Tsitsanis ist es zu verdanken, dass dieser Underground-Musikstil bis in die 50er Jahre äußerst beliebt war (weil er den typisch rauhen Ton etwas melodischer machte und ihm sogar einen Hauch von Schlager gab), Mikis Theodorakis bediente sich der Musik der Rembetes und schuf das politische Kunstlied der 60er Jahre, und der griechische Regisseur Kostas Ferris setzte dem Rembetiko 1983 mit seinem gleichnamigen Musikfilm ein Denkmal, das im Jahr darauf bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Heute ist Rembetiko die populärste Musikrichtung in den Nightclubs von Athen.

Doch die Flüchtlinge aus Kleinasien brachten mit dem Rembetiko nicht nur eine damals völlig neue Musikrichtung mit nach Griechenland, sie bereicherten auch die griechische Küche mit ihren kleinasiatisch geprägten Ess- und Kochgewohnheiten. In seinem neuen Restaurant „Rembetiko“ im hannoverschen Stadtteil Bemerode inszeniert Konstantin Paraskevaidis diese traditionelle Genusskultur mit Leidenschaft und Liebe fürs Detail.

Unter dem kulinarischen Motto „Orient trifft Okzident“ serviert die offene Küche authentische griechische Spezialitäten, die frisch und nach überlieferten Rezepten zubereitet werden – vom selbst gebackenem Brot und Kuchen bis zum Dessert und von den köstlichen Vorspeisen (Mezedes) bis zu den klassischen kleinen Gerichten mit dem delikaten Touch der tatsächlichen griechischen und kleinasiatischen Küche.

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Dazu gehört von jeher in Griechenland auch die Tischgemeinschaft – eine gesellige Tradition, bei der Familien, Freunde und Fremde beisammen sitzen, angeregt über das Leben und die Welt plaudern, sich ihre Lieblingsgerichte selbst zusammenstellen und miteinander teilen und gemeinsam ein paar unbeschwerte Stunden verbringen.

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Das meinen die Griechen, wenn sie von „Parea“ sprechen. Und auch das ist Teil der griechischen Esskultur, die mit dem Restaurant „Rembetiko“ in allen Farben des Lebens einladend und erschwinglich in Szene gesetzt wird.

Foto: Matthias Kothe

Rembetiko
Brabeckstr. 168
30539 Hannover
Tel. 0511-12 37 41 53
Geöffnet: Mo-Fr ab 17, Sa & So ab 12 Uhr
www.rembetiko-hannover.de

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